
„Da die Kosten leider ein zu dominanter Bewertungsfaktor gewesen zu sein scheinen … landet man am Ende bei geringerer Qualität.“ — Sebastian Siemiatkowski, CEO von Klarna
Auf ihrem Höhepunkt schien Klarna dabei zu sein, Verbraucherfinanzierung neu zu definieren. Das Unternehmen expandierte rasant, setzte stark auf künstliche Intelligenz und steuerte auf einen mit Spannung erwarteten Börsengang zu. Die jüngsten Ereignisse zeichnen jedoch ein anderes Bild — eines, das nahelegt, dass der BNPL-Boom von einem Optimismus getragen wurde, der sich nicht halten ließ.
Im ersten Quartal 2025 meldete Klarna Kreditausfälle bei Kundinnen und Kunden von 136 Millionen Dollar, ein Plus von 17 % gegenüber dem Vorjahr, während sich die Nettoverluste auf 99 Millionen Dollar verdoppelten. Diese Verluste entstehen aus zwei sich überlagernden Belastungen: steigenden Zahlungsausfällen und den Kosten des Umbaus der eigenen Abläufe rund um KI. Klarnas Wende zur Automatisierung war eine der radikalsten im Fintech-Bereich: Rund 40 % der Belegschaft fielen weg, viele Rollen wurden durch generative KI ersetzt, vor allem im Kundenservice und im Marketing.

Zwar erklärt das Unternehmen, diese Änderungen hätten Kosten gespart — etwa 10 Millionen Dollar weniger im Marketing —, doch CEO Sebastian Siemiatkowski hat die Nachteile öffentlich eingeräumt. Mit Blick auf den Umbau merkte er an, dass finanzielle Erwägungen die Servicequalität überlagert und das Kundenerlebnis beeinträchtigt hätten. Klarna will menschliche Betreuung nun über eine flexible, projektbasierte Belegschaft zurückbringen — eine Kehrtwende, die zeigt, wie schwierig es ist, kundennahe Abläufe zu automatisieren, ohne das Vertrauen in die Marke zu beschädigen.
Wirtschaftlicher Druck und eine veränderte Kundschaft
Laut der Federal Reserve Bank of New York haben die Schulden privater Haushalte in den USA mit 18,2 Billionen Dollar einen Rekordwert erreicht. Zahlungsrückstände bei Studienkrediten nehmen zu, und jüngere Menschen — die wichtigste Zielgruppe für BNPL — kämpfen mit Inflation, stagnierenden Löhnen und wachsenden finanziellen Verpflichtungen.
BNPL-Angebote, oft als risikoarm und zinsfrei beworben, offenbaren allmählich ihre Risiken. Werden Raten verpasst, drohen Mahngebühren, Schäden an der Bonität und die Abgabe der Forderung an ein Inkassounternehmen.
Zugleich hat die Trump-Regierung zentrale Schutzvorschriften zurückgenommen, die einst für BNPL-Anbieter galten. Das Consumer Financial Protection Bureau behandelt BNPL nicht länger wie Kreditkartenkredite, wodurch wichtige Standards für Aufklärung und Streitbeilegung entfallen.
Wachstumszahlen gegen Wachstumsschmerzen
Nach außen wächst Klarna weiter. Das Unternehmen bedient inzwischen 100 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer, das Händlernetz wuchs um 27 %, und es gibt strategische Partnerschaften mit eBay, Walmart und DoorDash. Hinter den Kulissen liegen die Börsenpläne jedoch auf Eis, Berichten zufolge sowohl wegen des internen Umbaus als auch wegen der nervösen Märkte. Die jüngste Zollpolitik der Trump-Regierung hat zu dieser Unsicherheit beigetragen und Börsengänge quer durch die Tech-Branche ausgebremst, Klarnas eingeschlossen.

Andere BNPL-Anbieter wie Affirm, das Costcos neuen BNPL-Dienst betreibt, und Afterpay, inzwischen Teil von Block Inc., stehen vor ähnlichem Gegenwind. Während sich das Verhalten der Kundschaft verschiebt, verändert sich auch das Risikoprofil von BNPL rasch.
Vom Fintech-Jubel zur strategischen Neubewertung
Die vergangenen Jahre brachten eine Welle der Begeisterung für BNPL-Plattformen, oft gefeiert als demokratisierende Kraft in der Verbraucherfinanzierung. Klarna verkörperte den Ehrgeiz und das Tempo dieser Bewegung vielleicht stärker als jedes andere Unternehmen. Die heutige Lage legt allerdings nahe, dass schnelles Skalieren ohne ausreichende Berücksichtigung von Nutzerrisiko und operativer Belastbarkeit einen hohen Preis hat.
Das ist kein Zusammenbruch des BNPL-Modells, aber womöglich das Ende seiner idealistischsten Phase. Das nächste Kapitel für Klarna und die Wettbewerber wird davon abhängen, Erwartungen neu zu justieren und Produkte zu liefern, die auch einer vorsichtigeren, knapper kalkulierenden Kundschaft standhalten.