
Der schwedische Fintech-Riese Klarna macht einen mutigen Schritt an die öffentlichen Märkte und plant offiziell einen Börsengang zum 5. April 2025. Mit einer angestrebten Bewertung von 15 Milliarden Dollar dürfte es einer der größten Börsengänge des Jahres werden und Klarnas Stellung als wichtige Kraft im Buy-Now-Pay-Later-Geschäft (BNPL) festigen. Trotz der enormen Größe — über 100 Milliarden Dollar abgewickeltes Volumen pro Jahr und 85 Millionen Nutzerinnen und Nutzer — begleiten das Unternehmen Zuversicht und Skepsis zugleich.
Anders als klassische Kreditkarten bietet Klarnas Modell „Pay in 4“ zinsfreie Ratenzahlung, was seine Beliebtheit besonders bei jüngeren Käufern getrieben hat. Gleichzeitig hängt Klarnas Geschäftsmodell stark an Händlergebühren, die 85 % der Erlöse ausmachen. Der Börsengang markiert einen Wendepunkt, doch Fragen bleiben: Ist Klarna reif für die Börse? Kann das Unternehmen dauerhaft profitabel werden? Und wie wirkt die späte Wendung Richtung Krypto auf die Marktaussichten?

Klarnas Weg: von Hyperwachstum zum Realitätscheck
2005 gegründet, ritt Klarna auf der E-Commerce-Welle zu einer dominierenden Stellung im BNPL-Markt. Wie viele Fintechs erlebte das Unternehmen in den vergangenen Jahren aber eine brutale Marktkorrektur. Auf dem Höhepunkt 2021 war Klarna mit 45,6 Milliarden Dollar bewertet und damit eines der wertvollsten Start-ups Europas. Mitte 2022 war die Bewertung auf 6,7 Milliarden Dollar eingebrochen — Ausdruck des allgemeinen Abschwungs bei Fintech-Investitionen angesichts von Inflationssorgen, steigenden Zinsen und regulatorischer Unsicherheit.
Dennoch erholte sich Klarna 2023 und 2024, getragen von einem Plus von 16 % beim Bruttowarenwert und einem Umsatzsprung von 33 % in den USA. Das Unternehmen drängte stark in den amerikanischen Markt, wo Profitabilität vor dem Börsengang ein zentrales Ziel war. Klarna bezeichnet die USA inzwischen als seine am schnellsten wachsende Region, ein wichtiger Faktor für den Zeitpunkt des Börsengangs.
Trotzdem ist Klarna weltweit noch nicht vollständig profitabel. BNPL wächst weiter — 56 % der Käufer nutzen jährlich Ratenzahlungsoptionen, und 9 % der Amerikaner greifen auf BNPL-Dienste zurück —, doch zunehmender Wettbewerb und mögliche regulatorische Hürden könnten Klarnas Schwung bremsen.

Krypto-Ambitionen: Wendepunkt oder regulatorischer Albtraum?
Kurz vor dem Börsengang machte CEO Sebastian Siemiatkowski auf X eine überraschende Ankündigung: Klarna prüfe aktiv die Einführung von Krypto-Zahlungen. Details bleiben unklar, doch der Zeitpunkt wirft Fragen auf — ist Klarna wirklich an Krypto interessiert, oder ist das ein strategischer Zug, um vor dem Börsengang Anlegerinteresse zu wecken?
Würde Klarna Krypto-Zahlungen einbinden, könnte das jüngere, technisch versierte Kundschaft ansprechen und die Erlösquellen verbreitern. Das regulatorische Umfeld für Krypto bleibt jedoch unsicher und steht stark unter Beobachtung, besonders in Klarnas Schlüsselmärkten USA und Europäische Union. Die SEC und EU-Regulierer gehen beide gegen Fintechs im Kryptobereich vor, und Klarna könnte zusätzliche Compliance-Hürden bekommen.
Unklar ist auch, ob Klarna direkte Krypto-Zahlungen, Stablecoins oder BNPL-Finanzierung auf Blockchain-Basis unterstützen wird — jede Variante bringt eigene Risiken und Chancen. Werden Klarnas Krypto-Ambitionen eine kühne Innovation oder eine unnötige Ablenkung?
Wettbewerb und Marktherausforderungen
Klarna ist im BNPL-Markt stark, arbeitet aber in einem immer umkämpfteren Umfeld. Zu den wichtigsten Rivalen zählen:
Affirm (AFRM) — ein US-Anbieter, der 2021 an die Börse ging, sich aber mit der Profitabilität schwertut.
Block (SQ), vormals Square — der von Jack Dorsey geführte Fintech-Riese besitzt Afterpay, einen großen BNPL-Wettbewerber.
PayPal (PYPL) — ein bekannter Name im digitalen Zahlungsverkehr, der seine BNPL-Angebote aggressiv ausgebaut hat.
Die BNPL-Branche selbst steht stärker unter Beobachtung, weil Regulierer sich um die Verschuldung der Verbraucher und die langfristige Tragfähigkeit zinsfreier Finanzierungsmodelle sorgen. Auf dem Weg an die Börse muss Klarna beweisen, dass BNPL mehr ist als ein Trend aus der Zeit nach der Pandemie.
Außerdem hat Klarna noch nicht bestätigt, an welcher Börse es notieren wird, auch wenn Spekulationen auf Notierungen außerhalb der USA zusätzlich zum Hauptlisting hindeuten.

Das Wichtigste in Kürze
Klarnas Börsengang am 5. April 2025 dürfte einer der größten im Fintech-Bereich in diesem Jahr werden, mit einem Bewertungsziel von 15 Milliarden Dollar.
Trotz starken Wachstums ist Klarna noch nicht vollständig profitabel, auch wenn das US-Geschäft Gewinn abwirft.
Klarna prüft Krypto-Zahlungen, könnte dabei aber auf erhebliche regulatorische Hürden stoßen.
Das BNPL-Kerngeschäft läuft gut, steht aber unter wachsendem Druck von Affirm, PayPal und Block.
Der BNPL-Markt dürfte mit rund 20 % jährlich wachsen, doch regulatorische Hürden und Sorgen um Verbraucherschulden bleiben zentrale Risiken.
Fazit: Wird Klarnas Börsengang gelingen?
Klarna positioniert sich als globaler Fintech-Führer, doch der Börsengang trägt erhebliche Unsicherheiten. Bei Fragen zur Profitabilität, Wettbewerbsdruck und Krypto-Plänen müssen Investoren die Risiken genau abwägen. Klarnas Erfolg wird davon abhängen, ob das Unternehmen seine BNPL-Stellung halten, profitabel wachsen und regulatorische Hürden in Fintech und Krypto meistern kann.
Eines ist sicher: Klarnas Börsengang wird ein prägender Moment für die Zukunft von Buy Now, Pay Later.